Unterwegs in Schwedens Schärengärten

Nach mittlerweile fast sechs Wochen im Sattel wandern die warmen Klamotten nun endgültig in den Packtaschen ganz nach unten, dafür kommen die Badesachen öfter zum Einsatz.

Allerdings kämpfen wir jetzt vermehrt mit den gefräßigen Raubtieren des Nordens.

Gerade abseits der größeren Orte ist die Auswahl an Rast Möglichkeiten sehr dürftig. So wechseln sich Pizzerien, Döner- und Burger-Buden ab. In der Kleinstadt Gävle legen wir einen Tag Pause ein und hoffen auf etwas kulinarische Abwechslung.

Uns fallen die vielen Radfahrer auf, MOPED- bzw. MOFA-Fahrer, wie bei uns zu Hause sind hier glücklicherweise „noch“ die Ausnahme. „Powered by muscles“- man vertraut der eigenen Muskelkraft.

„Radlos“

Gävle ist eine quirlige Stadt und wir genießen die Annehmlichkeiten städtischen Lebens.

Auf dem Kustvägen

Auf der Suche nach dem Sommer 2022 in Skandinavien sind wir hier nun endlich fündig geworden

Bei angenehmen Temperaturen um die 20 Grad radeln wir die Küste entlang über Kustvägen und Jungfrukustvägen (Jungfrauküstenweg)

Verglichen mit dem Radweg an der norwegischen Atlantik Küste sind wir hier bisher nur vereinzelt Radreisenden begegnet. Dennoch hat die Gegend ihren Reiz.

Bevor wir unsere Reise in Richtung Stockholm fortsetzen, werden wir uns hier in Mittelschweden eine kleine Verschnaufpause gönnen.

Hej hej Sverige

Auch Schweden bereitet uns zunächst einen stürmischen Empfang mit reichlich liquid sunshine

Aber wir sind guter Dinge, zumal Wetterbesserung in Sicht ist und die Preise im Vergleich zu Norwegen recht moderat sind. So kostet ein 🍺 hier vergleichsweise schlappe 7 Euro

Die Temperaturen übersteigen auch hier kaum die 10 Grad-Marke, paradoxerweise herrschen dafür aktuell am Nordkapp sommerliche 20 Grad. So what, wir strampeln mit Rückenwind-Unterstützung (wann hat man den schon) von Trondheim über Östersund in Richtung Südosten zum Botten.

Wir durchfahren das dünn besiedelte mittelschedische Jämtland und das schwedische Inntal😀

Blick ins Indal

In Sundsvall erreichen wir den Botten, wo wir uns eine Verschnaufpause gönnen

Ab hier werden wir dann dem Ostseeküstenradweg Eurovelo 10 https://de.eurovelo.com/ev10/sweden in Richtung Stockholm folgen. Wie es weitergeht, erfahrt Ihr hier im Blog…

Trondheim

In Øernes ergattern wir eine Deckspassage auf einem Hurtigruten Schiff nach Trondheim, die uns weiter in den hoffentlich wärmeren Süden bringt….

MS Vesterålen

Auf der Fahrt überqueren wir auch den Polarkreis

Crossing the arctic circle

Trondheim als drittgrößte Stadt Norwegens hat einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten, die wir bei einem gemütlichen Bummel erkunden.

Hier verlassen wir nun die Atlantik Küste mit dem Eurovelo 1 und begeben uns in Richtung Schweden zum Bottnischen Meerbusen. Hierbei folgen wir dem Pilgerweg Sankt Olavsleden. Wir sind gespannt darauf, was uns auf schwedischer Seite erwartet

Kystriksveien

Wir genießen die Überfahrt mit der Fähre von Å nach Bodø und den tollen Blick auf die Lofotenkette

In Bodø können wir auch einmal wieder die Vorzüge einer Großstadt in Anspruch nehmen

Dann setzen wir unsere Reise auf der Küstenstraße Kystriksveien fort, die wohl zurecht zu den Traumstraßen der Welt zählt.

Wir passieren Saltstraumen, wo viermal am Tag gezeitenabhängig gewaltige Wassermassen durch einen schmalen Sund strömen.

Im weiteren Verlauf haben wir kühle und ungemütliche Regentage

Ureddplassen, Norwegens skurilste Toilette am Weg ist uns einen Fotostopp wert

Die Wetteraussichte für die kommende Tage deuten auf keine Besserung hin…

Also beschließen wir in Ørnes, das Regen Gebiet mit einem Schiff der Hurtigruten zu umfahren

Lofoten

Auf den ersten Blick erscheint die Inselgruppe mit ihren rund 80 Inseln und unzähligen Fjorden recht unübersichtlich. Jedoch sind die Hauptinseln durch Brücken und Tunnels miteinander verbunden und lassen sich somit gut erkunden.

Von Norden bis in den Süden zieht sich die Europastraße E10 über den Archipel. Ab Ende Juni herrscht Hauptreisezeit und dementsprechend viele WoMo’s und Caravan’s drängen auf die Lofoten. Aber trotzdem lässt es sich gut radeln, vor allem wenn man die weniger befahrenen Nebenstraßen nimmt.

Die Infrastruktur ist gut, es gibt zahlreiche Campingplätze und gemütliche Ficherhütten (Rorbuer), allerdings sind die ohnehin hohen Preise hier noch höher.

We have finally found a place in norway that we can afford

Auch hier hatten wir Gelegenheit die epische Mitternachtssonne zu genießen.

Die Natur hinkt der in unseren Breiten etwas hinterher, dafür gibt’s eine vielfältige Blütenpracht zu bestaunen.

Heute sind wir am südlichsten Punkt in Å angekommen, das kleine Örtchen gilt zweifellos als das reizvollste der Lofoten und so gönnen wir uns noch einen Tag, bevor es mit der Fähre aufs Festland nach Bodø geht.

Auf den Vesterålen

Nach fast zwei Wochen feiern wir nun die Überschreitung der 10 Grad-Grenze. Die Inselgruppe ist zwar weniger bekannt als die Lofoten aber genauso interessant und weniger stark von Touristen frequentiert.

Bei nunmehr besserem Wetter haben wir endlich auch Gelegenheit, die Mitternachtssonne live zu erleben.

Midnight sun

Auf dem Eurovelo1 treffen wir zahlreiche Tourenradler, die meisten auf dem Weg in Richtung Norden.

Der Radabschnitt auf den Vesterålen ist im Vergleich mit den vorangegangenen Tagen recht moderat.

Nun sind wir gespannt, was uns auf den Lofoten erwartet…. P.S. Vielen Dank für die zahlreichen Kommentare

Gen Süden

Von Tromsø aus setzen wir unsere Reise in Richtung Süden fort und folgen zunächst dem Eurovelo 1 https://en.eurovelo.com/ev1/norway . Auf der Insel Kvaløya machen wir einen Abstecher ins beschauliche Sommarøy. Peter’s kleines Fahrrad-Malheur wird hier professionell behoben.

Noch immer sind wir weit nördlich des Polarkrreises und die Tagestemperaturen übersteigen kaum die 10 Grad, hinzu kommt ein kräftiger Wind.

Mit der Fähre setzen wir über nach Senja. Auch die Fährpassagen sind für Radfahrer kostenlos, was unsere strapazierte Reisekasse schont. Senja ist reizvoll allerdings stark zerklüftet, was das Radeln nicht leicht macht.

Inzwischen sind wir mit der Fähre auf den Vesterålen in Andenes angekommen. Wir haben Mittsommer, der hier eigentlich zünftig zelebriert wird, aber auf Grund von Wetterkapriolen etwas weniger gefeiert wurde.

Mit den Hurtigruten nach Tromsø

Die Fahrt durch die zerklüftete Fjordlandschaft ist ein tolles Erlebnis und bietet immer wieder interessante Fotomotive.

Beim ersten Anblick von Tromsø erinnert uns vieles an Ushuaia. Auch hier gibt es im Sommer noch schneebedeckte Berge und die Szenerie ähnelt der am vermeintlichen anderen Ende der Welt auf der Süd Halbkugel. Es ist die einzige größere Stadt hier in Nord-Norwegen und wie Ushuaia ist Tromsø Ausgangspunkt zur Polarregion.  Vom Hausberg Fjelleisen haben wir bei Bilderbuchwetter eine grandiose Aussicht auf die Stadt im gleichnamigen Sund. Zu dessen Füßen liegt die moderne Eismeekathedrale und die imposante Bogenbrücke verbindet die beiden Stadtteile.

Angaben zum Sonnenauf- und Untergang sucht man hier zu dieser Jahreszeit vergebens, 400km nördlich des Polarkrreises herrscht Polartag. So wurde für den gestrigen Tag 23h Sonnenscheindauer gemeldet. Passend dazu fand mit großen Tamtam ein Midnight Sun Marathon statt. Auch sonst gelten die Einwohner von Tromsø als recht gesellig,  die Stadt weist die höchste Dichte an Kneipen pro Kopf im ganzen Land auf.

Heia Norge

Der Norden Skandinaviens in Honningsvåg empfängt uns mit lauschigen 7 Grad, aber wir sind guter Dinge und entsprechend ausgerüstet. Von unserem Ausgangspunkt sind es zwar nur ca. 35 km, die es aber in sich haben https://www.bikemap.net/r/11155265/ . Dass das Nordkapp den nördlichsten Punkt des europäischen Festlands markiert ist aus zweierlei Gründen nicht zutreffend, denn zum einen liegt das Nordkapp auf der Insel Magerøya und zum anderen liegt die Halbinsel Knivskjelodden noch etwas nördlicher. Das Nordkapp ist dennoch spektakulärer. Erfreulicherweise wird Radfahrern die Eintrittsgebühr von 30 Euro erlassen. Das Besucherzentrum hat viel zu bieten, etwas störend sind nur die unzähligen Tagestouristen der zahlreichen Kreuzfahrtschiffe.